Training, Verhaltensberatung & Therapie

6 gute Gründe, warum Sie mit Ihrem Hund spielen sollten

Zugegeben, ab und an ernte ich durchaus skeptische und fragende Blicke von meinen Kunden, die sich, beispielsweise mit einer Angstproblematik ihres Hundes, an mich gewandt haben und ich Ihnen eröffne, dass ein Teil des Therapieplans aus Spiele spielen besteht. 

Leberwurstbaum Futtersuche draußen

Futtersuche - Käsewürfel wurden hier in die Rinde gedrückt

Dabei können gerade „Denksport-Spiele“ therapeutisch weitreichende Nebeneffekte haben. Denn hier geht es darum, dass der Hund seinen Kopf einsetzt um Probleme zu lösen. Er muss Strategien entwickeln und auch mal um die Ecke denken. Durch die Erfolge, die er sich gemeinsam mit seinem Menschen erarbeitet, wird er selbstbewusster. Das neu erworbene Selbstvertrauen hilft dann auch um besser mit Alltagssituationen, die ihn zuvor ängstigten, zurecht zu kommen.

Aber nicht nur bei Angstproblematiken sind Spiele hilfreich. Auch bei den „Hibbelhunden“ können kleine Spiele große Auswirkungen auf das Verhalten haben. Nach 3 Stunden Lauferei neben dem Fahrrad ist an Ruhe noch immer nicht zu denken? Sie werden sich wundern, was kurze Schnüffel- oder Denksport-Spiel-Einheiten bewirken können …  

Warum überhaupt spielen?

Die meistern Hunden werden heutzutage als treue Begleiter des Menschen gehalten. Der Hund erhält nur noch wenige Aufgaben, die seinem „rassetypischen Ursprung“ entsprechen. Genau das führt oftmals zu unerwünschten Verhaltensweisen. Denn es fehlt ein Alternativprogramm für den Hund, welches Langeweile und Unterbeschäftigung vorbeugt. Es gibt deutlich mehr als Bällchenwerfen oder mit einem Zergel Zerrspiele zu machen. Wobei das für viele Hunde sicherlich auch ein spaßiger Zeitvertreib ist. Jedoch sind solche Spiele doch eher anspruchslos - was auch völlig okay ist und absolut sein darf (und sollte), wenn es Freude macht. Aber es sollte nicht alleine dabei bleiben.

Impulskontrolle Hund warten vor dem Spiel

Impulskontrolle ist hier gefragt! Stitch wartet brav bis sie mit dem Spiel starten darf

Spiele, bei denen der Hund seinen Kopf oder / und seine Nase einsetzt, sorgen bei vielen Hunden für eine deutlich höhere Auslastung als einfache, körperliche Betätigungen.

Kleine Spiele - große Wirkung

Regelmäßige, gemeinsame Aktivitäten, die dem Charakter, den Fähigkeiten und den Bedürfnissen des Hundes entsprechen und die natürlich auch dem Menschen Freude machen in den Alltag einzubauen, birgt eine Vielzahl von Potenzialen:

 1. Alltagstauglichkeit: Ein ausgelasteter Hund ist meist auch der bravere und angenehmere Begleiter. Denn wo viel Langeweile herrscht, da kommen die Hunde auch oftmals auf „dumme Gedanken“ - aus Menschsicht gesehen jedenfalls.

2. Selbstvertrauen: Es ist absolut wünschenswert, dass unser Hund gelassen durch das Leben geht und auch neue Situationen ihn nicht stressen. Durch spielerische Herausforderungen lernt er genau das: auftretende Probleme und Herausforderungen werden gelöst und manchmal sogar Mutproben bewältig. So gewinnt er auch an Selbstvertrauen im Alltag. Nicht nur ängstliche Hunde profitieren davon.

3. Gehorsam: Werden die Spiele mit Übungen zur Alltagstauglichkeit kombiniert, so werden die Übungen auch in, für den Hund schwierigeren Situationen, gefestigt. Lernt er z. B., dass das ersehnte Spiel erst startet, wenn er geduldig sitzt und wartet, wird das Sitzen an sich gefestigt.

4. Frustrationstoleranz: Da die meisten Spiele so aufgebaut sind, dass der Hund eine ganze Weile konzentriert arbeiten muss, wird die Frustrationstoleranz erhöht. Als Frustrationstoleranz bezeichnet man die Fähigkeit, das Ausbleiben der Erfüllungen von Wünschen (z. B. das Erarbeiten von Futter oder Spielzeug) zu ertragen bzw. einen Bedürfnisaufschub zu ertragen, ohne dabei in Aggressionen oder Lustlosigkeit zu verfallen.

5. Beziehungsaufbau: Nicht nur der Hund profitiert durch das Spielen, sondern auch der Mensch. Werden die Spiele in ablenkungsarmer Umgebung (Zuhause) aufgebaut, so sind Erfolgserlebnisse vorprogrammiert. Ist das Verhältnis zwischen Mensch und Hund durch unerwünschte Verhaltensweisen des Hundes bereits geprägt von Frust und Hilflosigkeit, so kann spielerisch wieder die Freude am Hund entwickelt werden. Durch die Teamarbeit gibt es wieder ein „Wirgefühl“.

6. Kommunikation: Wir lernen unseren Hund zu lesen und finden so heraus, wie wir ihn am besten dazu motivieren können gemeinsam mit uns zu arbeiten. Das hilft natürlich bei der Verhaltenstherapie und in der Hundeerziehung. Denn wenn wir unserem Hund Spiele oder Tricks beibringen können, so ist der Schritt zu den „wichtigen“ Dingen wie Sitz, Platz oder Rückruf nicht mehr weit. Denn im Grunde sind auch diese Sachen nichts anderes als Tricks für den Hund.

Hütchenspiel Hund Frust aushalten

Nicht unter jedem Hütchen steckt ein Leckerchen. So lernt der Hund spielerisch Frust aushalten zu können.

Natürlich lernt auch der Hund seinen Menschen besser zu lesen. Gegenseitiges Verstehen ist Voraussetzung für eine gute Kommunikation. Funktioniert das im Spiel gut, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Hund auch im Alltag erheblich aufmerksamer und kooperationsbereiter wird und mehr auf seinen Menschen achtet und seine Nähe sucht.

Ich finde, das sind alles unschlagbare Argumente, um mit seinem Hund mehr zu spielen. Völlig egal, ob Angstproblematiken oder andere unerwünschte Verhaltensweisen vorliegen. Gemeinsam etwas zu unternehmen, gemeinsam Spaß zu haben, sich gemeinsam über Erfolge zu freuen – so etwas vertieft die Bindungen zwischen Hund und Mensch. Nicht selten entdecken wir dabei völlig neue Seiten und Fähigkeiten unseres Vierbeiners und das verleiht dem gemeinsamen Leben doch die Würze.   

Denksportspiel Hund

Schüsseln statt Becher machen das Spiel etwas schwieriger. Einfach mit der Nase umschmeißen ist hier nicht möglich. Stitch muss sichtlich nachdenken....

Natürlich können Spiele alleine keine Verhaltenstherapie darstellen. Jedoch sind sie ein, nicht unwichtiger, Baustein.

Wenn ich Sie nun anregen konnte, (mehr) mit Ihrem Hund zu spielen, so würde ich mich sehr darüber freuen! In der Rubrik Buchtipps finden Sie einige Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen.