Training, Verhaltensberatung & Therapie
Bobby Senior

So sah er aus, als er noch im Tierheim lebte

Derzeit bereichern 2 Fellnasen mein Leben: Rüde Bobby und Hündin Stitch. Von Bobby möchte ich Ihnen gerne erzählen, da seine Geschichte so wunderbar zeigt, dass man alte Hunde aus dem Tierschutz nicht aufgeben darf. Auch wenn die Vorgeschichte noch so negativ zu sein scheint. Es lohnt sich! Immer! Aber von vorne und erstmal die Fakten:

Bobby ist ein wunderschöner, schwarzer Flat-Coated-Retriever-Mix der ca. 2003/2004 geboren ist. Hier hat man offenbar den Überblick verloren, was bei der Anzahl der Vorbesitzer nicht wirklich verwunderlich ist.

Bobby Tierschutzhund beisst Menschen

Bobby 2016

Im Jahr 2013 gab es mindestens einen rabenschwarzen Tag in seinem Leben – aber ich schätze, es waren so einige mehr. Denn er wurde mal wieder in ein Tierheim abgegeben. Nein, das war nicht sein erster Aufenthalt in solch einer Einrichtung. Bobby ist wohl das, was man einen "Wanderpokal" nennt. Insgesamt wurde er 3 mal in ein Tierheim abgegeben und wenn ich mir den Impfausweis ansehe, kann ich erkennen, dass er noch mindestens drei andere Besitzer hatte.

Bobby war als junger Hund schon einmal im Tierheim. Auch hier war er schon schwierig. Er mochte keine Männer und zeigte auch sonst deutlich, was er alles nicht wollte. Auch mal mit den Zähnen. Trotzdem hatte er das Glück, eine Familie zu finden, die ihm ein Zuhause bot.

Acht Jahre durfte Bobby dort leben, bevor seine Welt auseinander brach. Aus familiären Gründen kam Bobby zurück ins Tierheim. Er war am Ende. Hatte alles verloren und vertraute niemandem mehr.

Kein Wunder also, dass er es dort zu Beginn niemandem leicht gemacht hat. Er war absolut nicht bereit, in irgendeiner Form mit einem der Tierpfleger zu "reden". Nie hatten diese es zuvor erlebt, dass ein Hund drei Wochen fast nur in seinem Korb lag, nicht an seiner Umwelt teilnahm und den Menschen sehr deutlich zeigte, da ein Betreten des Zwingers im Streit enden würde!

Drei Wochen nur Geknurre und Zähne fletschen, wenn jemand am Gitter vorbeilief.
Für Bobby war es schlimm, aber für das gesamte Tierheim-Team auch. Sie wollten ihm helfen und er ließ sie nicht!

Plötzlich, und ich kann wirklich nicht sagen was es war, stand Bobby auf eine wieder mal freundliche Ansprache mit seinem Namen auf und zeigte damit, dass es soweit war. Man konnte ihn anleinen und nach draußen bringen.

Und da stand ich dann eher durch Zufall (oder war es Schicksal?) und war die Erste, die mit ihm spazieren gehen durfte. Freunde waren wir danach immer noch keine, der Abstand zwischen uns betrug für die nächsten Wochen immer mindestens 2,5 Meter und Blickkontakt war ein no-go. Aber das dickste Eis war gebrochen!

Von da an ging es steil bergauf!!! Wir näherten uns mehr und mehr an und auch den Tierpflegern gegenüber wurde er immer offener. Auch meinen Mann, der uns mit der Hündin Stitch häufig auf den Spaziergängen begleitete, fand er immer weniger blöd.

 

Hund Bobby Senior aus dem Tierschutz

Die Junge hält ihn fit ....

Gut ein Jahr habe ich Bobby im Tierheim betreut und ich freute mich riesig, als sich ein Interessent meldete und Bobby dann auch in sein neues Zuhause ziehen durfte. Jedoch hielt die Freude nicht lange an. Kaum zwei Wochen später stand er wieder vor der Tierheimtür. Warum? Sein Wunsch auf Einhaltung seiner Individualdistanz wurde nicht berücksichtigt und seinen Unmut darüber machte er mit Hilfe seiner Zähne sehr deutlich klar. Das hatte ich mir für ihn ganz anders gewünscht. Ich war traurig, hatte er sich in den Monaten zuvor doch so prima entwickelt.

Aber vielleicht hatte ich zu laut gedacht: "Wenn der alte Knabe jemals wieder ins Tierheim zurückkommen sollte, dann zieht er bei uns ein ..." So kam es dann im August 2015 auch: Bobby zog ein. Mit Hündin Stitch verstand er sich klasse, das konnten wir ja zuvor schon ausgiebig testen.
Meine Hoffnung war zu diesem Zeitpunkt: Wenn er noch ein schönes Jahr bei uns hat und in diesem niemanden beißt, dann ist es perfekt!

Bobby hat trotz seines Alters unglaublich viel gelernt seit er bei uns ist. Zugegeben, er ist nicht (mehr) der Schnelldenker, aber er hat Spaß beim Lernen und ist, wie man so schön sagt: stets bemüht. Wie das mit dem Marker / Clicker funktioniert, hatte er nach kürzester Zeit herausgefunden. Zum Glück ist er äußerst verfressen und für ein Stück Käse würde er fast alles machen. So hatten wir sehr schnell eine prima Kommunikationsbasis.

Fast das erste was er lernte war, dass geknurrt werden darf. Ja, sogar soll! Denn das hatte er sich abgewöhnt. Entweder, weil man es ihm einfach verboten hatte oder weil man es häufig ignorierte. Das Resultat war leider, dass er sofort zupackte. So wurde er nun wenige Male gefeiert, weil er knurrte (alles Situationen, in denen es ihm räumlich zu eng wurde) und danach kam es nie wieder vor. Gut, beim Tierarzt dann doch schon mal. Aber da wird ja auch schon mal das liebste Schäfchen zur wilden Bestie. Grundsätzlich hatte er sehr schnell gelernt: lasse ich das Knurren sein und ziehe mich alternativ aus der Situation selber zurück, dann gibt es eine Belohnung. Erst knurren, dann weggeführt zu werden, um dort ein Sitz oder Platz ausführen müssen und erst danach eine Belohnung zu bekommen, dauerte ihm zu lange. Also nahm er, wie geplant, die Kurzvariante: Blöde Situation - weg gehen, hinsetzen - Belohnung. Das ist nur ein Beispiel von den Dingen, die er gelernt hat. Ich könnte sicherlich noch einige Seiten füllen! Aber sie können es sich vielleicht vorstellen, was für ein "Paket" so ein Wanderpokal mitbringt.

 

Auch ich habe sehr viel durch Bobby lernen dürfen. Ich bin für jeden Augenblick mit ihm dankbar. Mit meinem Mann versteht er sich inzwischen richtig gut! Sie sind ein eingespieltes Team. An dieser Stelle möchte ich auch den Hut vor meinem Mann ziehen. Denn das war nicht einfach mit ihm und dem Bobby. Auch nachdem Bobby hier eingezogen war, hat es gut ein halbes Jahr gedauert, bis Bobby ihm klar signalisierte: Du darfst mich streicheln und mir tief in die Augen schauen und ich werde dich nicht fressen, sondern ich liebe es. Ehrlich gesagt hatte ich mit so einer umfassenden positiven Veränderung gar nicht gerechnet. Um so glücklicher bin ich natürlich und ich kann nur sagen: es hat sich gelohnt! Für alle!

Trotzdem hat die Zeit Bobby geprägt. Wie sollte es denn auch anders sein. Er ist so etwas wie ein Eigenbrötler, der Menschen nach seinen ganz eigenen Maßstäben aussucht. Wenn er einen mag, dann ganz und für immer. Wenn er einen nicht mag, ignoriert er einen mit einer Konsequenz, wie nur Hunde es können. Inzwischen kommt es jedoch äußerst selten vor, dass er jemanden völlig ignoriert. Trotz seiner Vorgeschichte wird er immer offener und geht auf Menschen zu. Selbst jetzt, wo er etwas über 2 Jahre bei uns ist, macht er noch weiterhin Fortschritte.

Alleine durch seine Geschichte möchte ich eine Lanze brechen für alte Tiere aus dem Tierschutz! Es ist nie zu spät, die Welt neu zu entdecken und Neues zu lernen.