Training, Verhaltensberatung & Therapie

Sport im Verhaltenstraining - mehr als nur Beschäftigung und Auslastung!

Das es für den Hund gut ist, sich regelmäßig zu bewegen, liegt auf der Hand. Bewegung stärkt z.B. die Muskulatur, beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und unterstützt das Immunsystem. Aber „lohnt“ es sich, in Bezug auf das Verhaltenstraining, auch etwas mehr Zeit, Kraft und sogar Schweiß zu investieren und gemeinsam sportlich Aktiv mit seinem Hund zu sein? 

Definitiv ja! Hunde, die unerwünschte Verhaltensweisen wie z.B. Aggressionen, Angst, Hyperaktivität zeigen, können davon enorm profitieren:

Innere Ausgeglichenheit - Hormonhaushalt

Bei Ausdauersport (z.B. Laufen) – und hier liegt die Betonung auf Ausdauer – werden, wie beim Menschen auch, beim Hund Endorphine nur unter bestimmten Voraussetzungen freigesetzt. Nämlich: lange, langsame bzw. intensive Läufe.

Eine weitaus größere Rolle für das Wohlbefinden während und nach dem Laufen spielt der Anstieg des körpereigenen Serotonins. Serotonin ist ein Neurotransmitter (Glücksbotenstoff), der im Gehirn für gute Laune und für Glück zuständig ist.

Aus der Humanmedizin wissen wir, dass Serotoninmangel unter anderem zu Depressionen, Angstzuständen, Konzentrationsmangel, Schlaflosigkeit führt. Serotonin ist als das körpereigene Antidepressivum bekannt. Es ist ein dämpfend-entspannend und stark stimmungsaufhellend wirkender Neurotransmitter, schlaffördernd, antidepressiv, schmerzhemmend und motivationsfördernd. Da Hunde, wie wir Menschen auch, Säugetiere sind, haben sie einen ähnlichen Hormonhaushalt, der diese Funktionen steuert. 

Dem, durch Umweltreize (z.B. andere Hunde, fremde Menschen, unbekannte Situationen) gestressten Hund, einen Extrakick an Endorphine und Serotonin zu verschaffen, macht also durchaus Sinn. Er ist entspannter, konzentrierter und besser gelaunt. Für ein positiv verlaufendes Verhaltenstraining sicherlich gute Voraussetzungen.

Kreativität und Denkfähigkeit

Das Gehirn wird besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Dadurch erhöht sich die Konzentration, die Leistungsfähigkeit und die Kreativität. 

Kreativität bei Hunden zu fördern ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Hund neue Verhaltensweisen lernen soll, statt auf alte (unerwünschte) Verhaltensweisen zurückzugreifen. Ein Hund, der geistig flexibler ist, kommt besser mit neuen Herausforderungen klar und kann sich besser anpassen. Hier bietet es sich zusätzlich an, regelmäßige Denksport-Spiele gemeinsam mit dem Hund zu spielen.

Auslastung und Abwechslung

Mangel an Bewegung und geistiger Unterforderung können Auslöser von unerwünschten Verhaltensweisen sein. Wie viel Bewegung ein Hund braucht, ist sicherlich sehr individuell und sollte daher auch ganz individuell angepasst werden. 

Nicht nur wir Menschen mögen Abwechslung im Alltag statt öder Monotonie. Auch Hunde freuen sich über neue Aktivitäten. Wechselnde Laufstrecken und verschiedene Untergründe reichen da oftmals schon aus. 

Wobei ich auch hier darauf hinweisen möchte, dass auch das Thema Abwechslung individuell ist. Ängstlichen Hunden tut man mit ständig wechselnder Umgebung mitunter keinen Gefallen. Daher gilt auch hier: Ganz individuell entscheiden. 

Dass ausgelastete Hunde meist auch artigere und angenehmere Hausgenossen und Begleiter sind, die weniger aus Langeweile auf „dumme Gedanken“ kommen, ist naheliegen.

Achtung! So wichtig auch ausreichende Bewegung und Abwechslung ist, so schnell kann aus der Auslastung des Hundes auch eine Überlastung und Überforderung werden. Manchmal ist der Grad zwischen genau richtig ausgelastet und überlastet sehr schmal. Vor allem junge Hunde kennen ihre Grenzen oftmals noch nicht. Daher ist es als Halter wichtig, seinen Hund im Blick zu haben. 

Teambuilding

Gemeinsam mit seinem Hund Sport zu machen ist ein idealer Weg zusammen eine Menge Spaß und positiven Erlebnissen zu haben. Das schweißt zusammen, fördert das Zusammenspiel des Teams Mensch-Hund und wirkt sich natürlich auch auf das gemeinsame Verhaltenstraining aus.

Lust auf gemeinsamen Sport mit dem Hund bekommen? 

Sehr gut! Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich mit seinem Hund sportlich zu betätigen. Egal, ob man sich für Canicross, Bikejöring, Radfahren, Walken usw. entscheidet, einige Dinge müssen zuvor geklärt bzw. bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden:

  • Gesundheitszustand des Hundes: Dieser spielt selbstverständlich eine große Rolle bei der Auswahl der sportlichen Aktivitäten. Körperliche Beeinträchtigungen oder chronische Schmerzen schränken jedes Lebewesen in seiner Beweglichkeit und Leistungsbereitschaft stark ein. Welche und wie viel Bewegung diesen Hunden angeboten wird, sollte stets in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen!  
  • Alter des Hundes: Ein junger Hund hat natürlich mehr Energie und einen größeren Bewegungsdrang als ein alter Hund. Jedoch ist bei den Junghunden zu bedenken, dass er sich noch im Wachstum befindet und somit Überlastungen von Knochen, Sehnen und Muskulatur vermieden werden sollten, um Langzeitschäden zu verhindern. Einem alten Hund tut man mit langen Fahrradtouren oder Zughundesport sicherlich auch keinen Gefallen mehr. Was in beiden Fällen jedoch nicht heißt, dass Sport gänzlich tabu ist. Der eine muss die Möglichkeiten haben, sich gesund entwickeln zu können und beim anderen gilt: Alter ist keine Krankheit. 
  • Rasse: Große und schwere Hunderassen sollten Sportarten ausüben, bei denen die Gelenke nicht durch häufige Sprünge belastet werden. Rassen mit kurzer Schnauze können Probleme mit der Atmung haben und sollten nur im Rahmen ihrer Belastbarkeit trainiert werden.

  • Körperliche Konstitution und Kondition: Übergewicht schadet den Gelenken, der Wirbelsäule, dem Herzen und dem ganzen Organismus. Daher müssen übergewichtige Hunde zu Beginn schonend bewegt werden, denn jedes Kilo belastet durch die Hebelkräfte die Gelenke um ein Vielfaches zusätzlich. Für alle Hunde gilt: Ausdauer muss langsam und stetig aufgebaut werden, um den Hund nicht zu überlasten.