Training, Verhaltensberatung & Therapie

Trennungsstress

Trennungsstress und damit verbundene Probleme sind ein weit verbreitetes Thema. Aber was ist Trennungsstress überhaupt? Was sind die typischen Anzeichen? Wo liegen die Ursachen? Gibt es Faktoren, die eine Entstehung begünstigen? Kann durch eine Verhaltenstherapie Trennungsstress reduziert werden?  Was ist Trennungsstress und warum entsteht dieser?

Nahezu jeder (gesunde) Hund zeigt Trennungsverhalten, wenn er von seinen Bezugspersonen getrennt wird. Dieses Verhalten gehört zum normalen Verhaltensrepertoire und ist keinesfalls zwangsläufig problematisch. Die meisten Hunden können sich dieser Situation anpassen und zeigen kein unerwünschtes Verhalten. Trennungsverhalten ist ein natürliches Verhalten eines jeden Säugetiers und dient der Umweltanpassung:  Die Lautäußerungen eines Welpen dienen als Orientierungssignal und helfen z.B. der Mutter, den verirrten Welpen leichter wieder zu finden. Beim Trennungsstress geht hauptsächlich darum, die wichtige körperliche Nähe und Bindung aufrechtzuerhalten. Die verschiedenen Reaktionen unserer Hunde, die bei Trennungen auftreten können (wie z. B. Lautäußerungen, Unruhe, Zerkratzen von Türen und Fenstern), sind ebenfalls eine Form der Umweltanpassung des Hundes.

 Risikofaktoren, die verstärkt zur Entwicklung von Trennungsstress führen können:

  •  mangelhafte Gewöhnung des Welpen an das Alleinsein
  •  Besitzerwechsel oder Aufenthalt im Tierheim
  •  jede traumatische Erfahrung des Hundes während des Alleinseins   
  •  jede emotional traumatische Erfahrung   
  •  Anwendung von Strafe bei der Erziehung des Hundes   
  •  gravierende Veränderungen im Tagesablauf
  •  unstrukturierter, sich häufig ändernder Tagesablauf
  •  bereits vorhandene angstbedingte Verhaltensauffälligkeiten
  •  Umzug (mit dem Besitzer)


Anzeichen von Trennungsstress: 

Trennungsstress, Hund macht Tür, Türrahmen kaputt

Nicht selten versuchen Hunde Barrieren, wie z.B. Türen, zu überwinden. So kann das Ergebnis aussehen...

Leidet der Hund unter Trennungsstress, so werden bereits häufig erste Stressanzeichen sichtbar, sobald sich das Weggehen der Bezugsperson ankündigt. Typische Signale für den Hund sind zum Beispiel der Gang zum Schuhschrank, der Griff nach dem Schlüssel usw. Nach dem Weggehen der Bezugsperson steigt die Anspannung sprunghaft an und erreicht in der Regel nach 30 Minuten seinen Höhepunkt. Der Hund hat keinerlei Kontrolle über die Situation, das lässt den Stresspegel weiter steigen. Um die Situation zu verändern beginnt der Hund mit dem Verhalten, mit dem er seine Bezugsperson zurück holen möchte.

Typische Verhaltensweisen sind:

  • übermäßige Lautäußerungen wie Bellen, Jaulen, Winseln, Heulen
  • an der Tür, am Fenster oder an Möbel kratzen oder scharren
  • hektisches Hin- und Herlaufen
  • Zerkauen und Zerstören von Gegenständen
  • häufiges Urinieren und/oder Absetzen von Kot
  • starkes Sabbern

Was sind mögliche Ursachen von Trennungsstress?

Wie stressig die Hunde das Alleinsein empfinden und mit welchem Verhalten sie darauf reagieren, hängt vermutlich von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie genetische Veranlagung (bezogen auf Geselligkeit, Bewegungsdrang, Hemmschwellen in der Lautäußerungen etc.), das Alter des Hundes und natürlich können vorangegangene negative Erfahrungen des Hundes Einfluss darauf nehmen, dass verstärkt Trennungsprobleme entwickelt werden. Nicht selten liegt eine Bündelung / Kombination verschiedener Ursachen vor. Das Risiko von unerwünschtem Trennungsverhalten erhöht sich zum Beispiel durch:   

  • Übermäßig starke Bindung des Hundes an seine Bezugsperson: Was ist mit übermäßig gemeint? Indikatoren hierfür sind, dass der Hund rund um die Uhr, wie ein Schatten, an seine Bezugsperson klebt wenn diese anwesend ist. Der Hund möchte so nah wie möglich bei der Bezugsperson schlafen, der Hund lehnt sich häufig an die Bezugsperson an, der Hund zeigt bereits eindeutig Stressanzeichen, wenn die Bezugsperson zwar anwesend ist, er jedoch keinen direkten Zugang zu ihr hat. Es wird exzessives Begrüßungsverhalten, welches kaum zu unterbrechen ist, gezeigt.   
  • Kontrollverlust: Kann der Hund durch sein gezeigtes Verhalten (Lautäußerungen, Umgehen von Barrieren durch Kratzen und Beißen an Türen/Fenstern zum Beispiel, etc.) keine Veränderung der Situation herbeiführen, tritt Kontrollverlust auf. Als Folge können Erregung, Frustration, Ängstlichkeit oder auch Aggressionen entstehen die sein Verhalten noch verstärken: Der Hund bellt, winselt, weint länger und/oder lauter, kratzt massiver an Barrieren usw. Häufig werden Gegenstände zerkaut die intensiv nach der Bezugsperson riechen. Zu einem ist das Kauen eine beruhigende Aktivität, der Hund baut so Anspannungen ab, und zum anderen möchte er so der Bezugsperson näher sein. Aus diesen Gründen ist es auch höchst unwahrscheinlich, dass sich Trennungsstress nach einiger Zeit von alleine gibt.   
  • Gestörter bzw. kein Lernprozess: Damit kein Trennungsstress entsteht, muss diese Situation für einen Hund erlernt werden. Bleibt diese Lernerfahrung aus oder wurde sie nur ungenügend gemacht, so steigt das Risiko, dass der Hund unter Trennungsstress leidet.   
  • Individualentwicklung: Es gibt Lebensphasen des Hundes, in denen sich Trennungsstress eher entwickelt als zu anderen Zeiten. So kann es passieren, dass Hunde bis zum Erreichen der Geschlechtsreife keinen Trennungsstress haben jedoch dann, trotz Training der Situation, mit Beginn der Geschlechtsreife Probleme auftreten. Auch leiden alte Hunde oftmals unter Trennungsstress, auch wenn es zuvor in ihrem Leben keine Hinweise darauf gab. Parallel dazu werden häufig auch andere Ängste immer offensichtlicher.   

 

Ist Trennungsstress therapierbar? 

Trennungsstress, ohne Stress

Alleinsein muss nicht schlimm sein! Ganz entspannt geht auch.

Ja! Entscheidend bei dem Training ist, dass Veränderungen in kleinen Schritten erfolgen. Denn all zu große Veränderungen führen dazu, dass Frustration, Ängstlichkeit und Kontrollverlust gesteigert werden. Ziel der Behandlung ist, dass der Hund lernt, sich wohl und sicher ohne die Bezugsperson zu fühlen. Das Training zielt auf eine Reihe von Maßnahmen ab, die den Fokus auf Entspannung, Steigerung des Selbstwertgefühls aber auch auf die Selbständigkeit des Hundes haben. Die Behandlung von Trennungsstress ist immer individuell und umfassend, ein Standartprogramm greift nicht.  Als problematisch erweisen kann sich die Tatsache, dass jede erneut auftretende, für den Hund negative Situation, einen Rückschritt der Behandlung verursachen kann. Bestenfalls wird der Hund, solange das Thema Trennungsstress nicht gelöst ist, lediglich für Trainingszwecke alleine gelassen. Kurzfristige Lösungen, wie z. B. eine Hundetagesstätte oder ein Hundesitter, können Rückschritte verhindern.